Eigentlich kommt es schon nicht sehr selten vor, dass Leute darüber klagen, nicht kopfüber abtauchen zu können. Vielleicht 10 % all derjenigen, die mit dem Apnoetauchen anfangen wollen haben massive Probleme kopfüber abzutauchen oder auch nur kopfüber (beispielsweise an Land) den Druckausgleich zu machen. Nun ist es beim Apnoetauchen fast schon Voraussetzung kopfüber zu tauchen. Klar, man kann sich an Tauchseilen, Ankerketten usw. auch mit den Füßen voran herunterziehen, aber die Möglichkeiten sind schon beschränkt und man kann nicht im Freiwasser tauchen. Und das ist genau das, was man eigentlich beim Fundiving oder auch im Training macht. Also: Was tun? Woran liegt es? Kann man was dagegen machen?
Woran liegt es, dass kopfüber der Druckausgleich nicht funktioniert?
Es kann verschiedene Ursachen haben, dass es so ist wie es ist.
- Die Druckausgleichstechnik stimmt nicht!
Es kann natürlich immer daran liegen, dass du die Technik einfach nicht beherrschst. Das ist von allen Möglichkeiten immer noch die einfachste. Hast du aber den „Test“ auf der Bettkante liegend mit Kopf auf dem Boden ausprobiert, und festgestellt, dass so der DGL (Druckausgleich) nicht klappt, aufrecht aber schon, haben wir ein kleines Problem. Es muss etwas anderes vorliegen. Und meistens ist es eine physiologische Besonderheit bzw. Besonderheiten, die dann Vorliegen. Das sind die folgenden: - Die Eustachische Röhre, fällt entweder zu oder wird zugedrückt.
Und da haben wir ein kleines Problem. In dem Moment wo die Tube – also dann kopfüber – nicht mehr offen steht, kann natürlich auch keine Luft mehr vom Mund-/ Nasenraum in das Mittelohr gelangen und da den beim Tauchen zunehmenden Unterdruck ausgleichen.
Was sind nun die Ursachen der kollabierenden Eustachischen Röhre? Kurz und knapp ist es eine sogenannte Tubenbelüftungsstörung oder eine sogenannte klaffende Röhre!
Was ist eine Tubenbelüftungsstörung?
Eine Tubenbelüftungsstörung (auch Belüftungsstörung des Mittelohrs genannt) liegt vor, wenn die Ohrtrompete – die Verbindung zwischen Nase und Mittelohr – nicht richtig funktioniert. Diese sorgt normalerweise dafür, dass Druck im Ohr ausgeglichen wird und das Mittelohr gut belüftet bleibt. Ist diese Funktion eingeschränkt, entsteht ein Ungleichgewicht im Druck.
Typische Beschwerden sind ein Druckgefühl im Ohr, Schmerzen, ein Rauschen oder knackende Geräusche beim Schlucken. In stärkeren Fällen kann es auch zu einer Hörminderung kommen. Die Ursachen liegen häufig im Nasen-Rachen-Raum, zum Beispiel durch geschwollene Schleimhäute, Infektionen oder bei Kindern durch vergrößerte Rachenmandeln („Polypen“).
Kurz gesagt: Eine Tubenbelüftungsstörung bedeutet, dass der natürliche Druckausgleich im Ohr nicht mehr richtig funktioniert – was zu spürbaren und teils belastenden Ohrproblemen führen kann.
Was sind die Ursachen?
Die Ursachen einer Tubenbelüftungsstörung sind vielfältig, haben aber meist gemeinsam, dass die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) nicht richtig öffnet oder blockiert ist.
Die häufigsten Ursachen sind:
- Schwellungen im Nasen-Rachen-Raum: Zum Beispiel durch Erkältungen, Allergien oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen. Die Schleimhaut schwillt an und verengt die Ohrtrompete.
- Vergrößerte Rachenmandeln („Polypen“) bei Kindern: Sie können den Eingang zur Ohrtrompete blockieren und sind eine der häufigsten Ursachen im Kindesalter.
- Entzündungen: Sowohl akute als auch chronische Entzündungen im Nasen- oder Rachenraum beeinträchtigen die Belüftung des Mittelohrs.
- Anatomische Veränderungen oder seltene Befunde: Dazu zählen z. B. Schleimzysten, gutartige oder bösartige Veränderungen im Nasenrachen.
- Funktionsstörung der Tubenmuskulatur: Wenn der Muskel, der die Ohrtrompete öffnet, nicht ausreichend arbeitet, bleibt sie zu – selbst ohne sichtbare Blockade.
- Unklare Ursachen (idiopathisch): Besonders bei Erwachsenen wird oft keine eindeutige Ursache gefunden.
Wichtig zu verstehen: Da die Ohrtrompete im Nasenrachen beginnt, liegt die Ursache meist nicht im Ohr selbst, sondern „eine Etage davor“ – also in der Nase oder im Rachen.
Was ist eine klaffende Röhre?
Eine klaffende Röhre (klaffende Ohrtrompete) ist eine Funktionsstörung des Ohres, bei der die Ohrtrompete – die Verbindung zwischen Nasenrachen und Mittelohr – dauerhaft oder über längere Zeit geöffnet bleibt. Normalerweise öffnet sie sich nur kurz, zum Beispiel beim Schlucken, um den Druck im Ohr auszugleichen, und schließt sich danach wieder.
Bei einer klaffenden Tube funktioniert dieser Mechanismus nicht richtig: Die Röhre schließt sich nicht mehr ausreichend. Dadurch entstehen typische Beschwerden wie Autophonie (man hört die eigene Stimme ungewöhnlich laut oder wie ein Echo), ein Druckgefühl im Ohr oder sogar das Wahrnehmen der eigenen Atmung im Ohr.
Obwohl die Symptome teilweise denen einer Tubenbelüftungsstörung ähneln, ist die Ursache genau entgegengesetzt: Statt einer Blockade liegt hier eine Überöffnung der Ohrtrompete vor. Diese kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, da das Hören und Sprechen für Betroffene oft sehr unangenehm wird.
Was sind die Ursachen?
Die Ursachen einer klaffenden Röhre sind unterschiedlich und oft nicht eindeutig – meist handelt es sich um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die dazu führen, dass die Ohrtrompete zu lange oder dauerhaft geöffnet bleibt.
Die wichtigsten Ursachen sind:
- Starker Gewichtsverlust: Im Bereich der Ohrtrompete sitzt ein kleiner Fettkörper, der beim Verschluss hilft. Nimmt man schnell viel ab, kann dieser „Polster-Effekt“ verloren gehen, sodass die Tube leichter offen bleibt.
- Vorangegangene Ohrprobleme: Häufig tritt eine klaffende Tube nach Ereignissen wie Hörsturz, Mittelohrentzündung oder einer Tubenbelüftungsstörung auf.
- „Antrainierte“ Fehlfunktion: Durch häufiges Gähnen, Schlucken oder bewusstes Druckausgleichen (z. B. bei Ohrdruck) kann sich die Tube funktionell daran gewöhnen, offenzubleiben.
- Veränderungen der Muskulatur: Da die Ohrtrompete durch Muskeln gesteuert wird, können Verspannungen oder Fehlfunktionen der Kiefer- und Gaumenmuskulatur die Kontrolle beeinträchtigen.
- Zahnärztliche oder kieferorthopädische Eingriffe: Längeres Offenhalten des Mundes oder Veränderungen am Kiefer können die Tubenfunktion beeinflussen.
- Hormonelle Einflüsse: In manchen Fällen stehen die Beschwerden im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen oder bestimmten Medikamenten (z. B. hormonelle Präparate).
Wichtig: In vielen Fällen lässt sich keine einzelne klare Ursache festmachen. Entscheidend ist, dass die Regulation zwischen Öffnen und Schließen der Ohrtrompete gestört ist – und genau das führt zu den typischen Beschwerden.
Wie hindern sie den Druckausgleich?
Bei der Tubenbelüftungsstörung ist die Antwort relativ klar: Die Tube wird durch irgendetwas zugedrückt und kann sich dann nicht ausreichend öffnen. Dies kann durch das kopfüber Tauchen verstärkt werden, wenn beispielsweise durch die Schwerkraft Flüssigkeiten, Gewebe, Fetteinlagerungen, Schwellungen oder auch “irgendetwas anderes” nach oben drückt und dann die Tube verschließt.
Bei der klaffenden Röhre ist das noch etwas komplizierter. Dort haben wir ja das andere Extrem, dass die Röhre eigentlich eher offen ist. Wie kann dann der Druckausgleich nicht funktionieren? Man kann sich die Öffnung vielleicht so vorstellen, dass sie etwas ausgeleiert ist, und die Muskeln untrainiert sind. Tauche ich dann kopfüber los, fallen diese Hautlappen dann einfach vor die Öffnung der Tube und verschließen sie dann. Die Tube ist zu und der Druckausgleich nicht möglich.
Was kannst du machen, um den doch noch den Druckausgleich machen zu können?
Ohrentropfen und alle äußerlichen anwendbaren Tropfen und Salben werden nicht helfen. Auch Nasenspray wird in den allermeisten Fällen nicht helfen, da die euchstachische Röhre viel zu weit hinten im Nasenbereich liegt und von der Nase schon schwer zu erreichen ist. Tropfen, die man sich ins Ohr gibt, würde auch das Trommelfell nicht passieren können und dann nicht ihre Wirkung entfalten können.
In der Therapie wird von HNO Ärzten, wie auch von (Priv. Doz. Dr. med. Klingmann) folgendes empfohlen:
- Druckausgleichstraining.
Dies hilft ganz besonders bei der Tubenbelüfungsstörung, bei der dann die involvierten Muskeln trainiert werden. Mache dazu über den Tag verteilt alle 15min einen Druckausgleich. Das übersetzt sich in 50 bis 60 Druckausgleiche am Tag. Du kannst folgende Übungen machen:- Übung 1: Druck über den Druckausgleich aufbauen (maximal) und dann Finger so lockern, dass etwas Druck durch die Nase entweicht. Mindestens 2 mal hintereinander alle 15 min.
- Übung 2: Druck über den Druckausgleich recht schnell hintereinander aufbauen und entweichen lassen. 5 bis 6 mal schnell hintereinander weg alle 15 min.
- Schleimhäute
Diese können wie gesagt angeschwollen sein. Abschwellende Medikamente und eine 2 mal tägliche Nasendusche mit Kochsalz können hier helfen. Eventuell machen sogar kortisonhaltige Nasensprays Sinn.
Bei der klaffenden Röhre: - Gewichtsnormalisierung
Die klaffende Röhre kann ganz besonders nach schnellem Gewichtsverlust auftreten, da ein Fettkörper die Röhre normalerweise passiv hilft zu verschließen. - Andere Hormonpräperate
Finden die Probleme mit Hormonellen Präparaten auf (Pille, Wechseljahre, …), kann ein anderes vielleicht Abhilfe schaffen. - Abklärung beim Zahnarzt, Physiotherapeuten und Osteopathen
Da auch andere Zahnstellung oder ähnliches Vorliegen können, die die Tube offen halten. - Druckausgleichstraining wie bei der Tubenbelüfungsstörung
Duch das Training festigen sich auch die Gewebe und Muskeln, sodass sich die Symotomatik wieder zurückbildet. (Übungen siehe oben!)
Lt Herrn Klingmann lassen sich 70% der auftretenden Fälle gut und ohne Operation therapieren. Eigentlich gute Chancen. Für die übrigen empfiehlt sich eine sogenannte “Ballontuboplastie”, bei der dann durch einen Ballon die Tube künstlich geweitet wird.
Das alles sollte dir helfen, mit Druckausgleich-Schwierigkeiten fertig zu werden.
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 1: Grundlegende Dinge
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 2: Wenn alles nichts hilft.
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 3: Druckausgleich-Allheilmittel
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 4: Prävention
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 5: Kopfüber funktioniert der Druckausgleich nicht. Was tun, wenn man als Taucher nicht kopfüber herunterkommt?