Druckausgleich-Schwierigkeiten: Wer kennt es nicht? Man will am nächsten Tag apnoetauchen und merkt vielleicht schon, dass was nicht ganz so ist, wie es sein sollte. Am nächsten Morgen dann ist die Überraschung dann komplett: Der Druckausgleich funktioniert überhaupt nicht oder nur teilweise. Vielleicht ist die Nase angeschwollen und ist man dann endlich im Wasser funktioniert der Druckausgleich nicht mehr wie gewohnt. Meistens kommt es im Winter vor oder gerade dann, wenn man in Urlaub geflogen ist. Was kann man tun?
Als „Leid erprobter“ Tauchlehrer kann ich dir einige Tipps geben, wie du die Druckausgleich-Schwierigkeiten beheben kannst.
Also erst einmal müssen wir wissen, woher sie kommen könnten.
- Hat der Druckausgleich überhaupt noch nie richtig funktioniert?
- Merke ich den sich aufbauenden Druck am Trommelfell NICHT?
- Fühlt sich alles normal an, du merkst auch den Druck am Trommelfell. In geringer Tiefe hat man allerdings Schmerzen.
Warum ist das so?
Der Druckausgleich hat überhaupt noch nie richtig kopfüber funktioniert.
Bei 10% bis 15% aller Tauchschüler gibt tatsächlich physiologische Eigenheiten, die es für sie (anfänglich) unmöglich machen, den Druckausgleich kopfüber zu machen. Das ist natürlich schwer frustrierend, wenn man das im Kurs herausfindet. Und es hört sich erst einmal nach einem finalen Schlag gegen die Apnoe-Tauchbemühungen an. Ist es aber nicht. Mit gezieltem Training kann man diese Probleme doch recht leicht beheben.
Das Ganze ist aber ein Unterfangen, das 2- 3 Monate dauern kann. Man braucht Ausdauer, Durchhaltevermögen und dann klappt der Druckausgleich dann auch kopfüber. 80–90 % der Fälle lassen sich dann so beheben. Durch die Übungen werden dann die entsprechenden Muskeln trainiert und die Gewebe gestrafft, was dann dazu führt, dass der Druckausgleich dann funktioniert.
Als einfachen Test, ob dieses Problem vorliegt, kannst du dich auf dein Bett legen und so weit zu Kante des Bettes vor rutschen, bis du an der Hüfte einknicken und deine Kopfoberseite auf dem Boden ablegen kannst. Wenn der Druckausgleich so nicht funktioniert (Kopf niedrigster Punkt, Hals bzw. Wirbelsäule gerade), es aber aufrecht (also mit dem Kopf als höchsten Punkt) kein Problem für dich darstellt, hast du dieses Problem. Diese physiologische Eigenschaft liegt dann vor.
Wie gesagt: Es ist kein Beinbruch. Es braucht nur etwas gezieltes Training, bis es dann auch kopfüber funktioniert. Mehr dazu kommt in einem späteren Blog-Post.
Du merkst den Druck nicht am Trommelfell
Meistens bedeutet das, dass der Zugang zum Mittelohr (der Hohlraum hinter dem Trommelfell) zugeschwollen oder blockiert ist. Das kann eine sich anbahnende Erkältung sein, oder Schleim, der den Zugang blockiert. Es kann auch vorkommen, dass Schleim durch die Druck- und Volumenveränderungen in den Nasennebenhöhlen herumgeschoben wird und dann der Druckausgleich aufhört gut zu funktionieren.
Trotz funktionierenden Druckausgleichs hast du Schwierigkeiten bzw. Schmerzen in geringer Tiefe.
Der Druckausgleich funktioniert am Trommelfell/ dem Mittelohr gut. In der Regel siehst du keinen Grund, warum es nicht funktionieren sollte. Du hast aber in geringer Tiefe Schmerzen, wenn du abtauchst. Das wird in den meisten Fällen dadurch verursacht, dass Teile der Nasennebenhöhlen zugeschwollen sind und sich der Druck des Druckausgleichs nicht ausbreiten kann. Auch hier kann es auch Schleim sein, der den Zugang blockiert.
Das Wissen, wo die Blockaden sind und wann was wie nicht funktioniert, ist tatsächlich sehr wertvoll. Es hilft uns bei der Bewältigung der Probleme.
Was kannst du bei Druckausgleich-Schwierigkeiten tun?
- Nicht zu stark schnauben.
Das Erste, was du machen kannst, ist das ganze nicht zu stark zu belasten. Am besten nicht bis sehr wenig und nur schwach schnauben. Es besteht die „Chance“ dass der Schleim, der sich in deinen NNH aufhält, „tiefer“ vordringt und dann wesentlich länger Probleme verursacht. Wir wollen unbedingt vermeiden, dass das „Zeug“ bis in die Stirnhöhlen oder die Siebbeinzellen vordringt. - Nur „Hochziehen“ oder Druckausgleich machen.
Am besten ist es, wenn du den Schleim „hochziehst“ und dann herunterschluckst oder durch einen Druckausgleich „herausdrückst“. Die Luft bzw. der Überdruck sammelt sich dann im günstigsten Fall „hinter“ der verschleimten Stelle und drückt diese Ansammlung dann nach außen. - Heizung herunterstellen / Klimaanlage ausstellen.
Gerade in der deutschen Heizperiode gehen die Probleme meistens los. Die Luft ist extrem trocken, was dann zu einer Austrocknung der Schleimhäute in der Nase führt. Schleim in der Nase wird dickflüssiger und verklebt die empfindlichen Zugänge. Gerade auch Klimaanlagen ziehen sehr viel Feuchtigkeit aus der Luft, weswegen sie genau so „schlimm“ sind wie Heizungen. Vorsicht ist besonders in Flugzeugen auf langen Strecken oder in Hotels geboten. Man könnte sich die Schleimhäute aber mit einem Salzwasser-Nasenspray feucht halten. - Zimmertemperatur auf 19° herunterregeln.
Bei Neugeboren macht man das aus genau dem Grund auch so, dass man das Thermostat auf 19° herunterregelt und sich (und das Baby) dafür dicker anzieht. Das vermeidet dann NNH Entzündungen bei Neugeborenen eben, weil der Schleim nicht austrocknen kann. - Nicht mit Heizung oder Klimaanlage schlafen.
Das hat die gleichen Gründe, wie Punkt 4. - Luftbefeuchter.
Man kann die Luft auch etwas feuchter bekommen, wenn man sich einen Luftbefeuchter anschafft. Meistens kann man dann auch ätherische Öle mit einträufeln, die dann zerstäubt werden und dann entsprechend gut riechen. Jüngst habe ich auch gute Erfahrungen mit Wasserkochern gemacht. Ich lasse den einmal kurz laufen und schon ist genug Luftfeuchte in der Zimmerluft.
Das ist erst mal einige grundlegende Dinge, die du machen kannst. Im nächsten Artikel werden wir uns nochmal um die „harten Fälle“ und die Geheimnisse bei dem Ganzen kümmern.
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 1: Grundlegende Dinge
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 2: Wenn alles nichts hilft.
>Druckausgleich-Schwierigkeiten Teil 3: Druckausgleich-Allheilmittel