Speerfischen in Deutschland? Geht das?

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Mit zunehmender Begeisterung für das Apnoetauchen, wollen sehr viele das Speerfischen in Deutschland lernen. Zu erst müssen wir allerdings einige Fragen beantworten, weil es mitunter sehr viele Fallstricke und Missverständnisse diesbezüglich gerade hier in Deutschland gibt! Was ist das Speerfischen überhaupt? Wie kann ich das Speerfischen in Deutschland lernen und ausüben? Darf ich das überhaupt machen? Und was muss ich außerdem noch beachten? Diese Fragen sollte jeder, der sich für das Speerfischen in Deutschland interessiert, beantworten.

Was ist das Speerfischen?

Das Speerfischen wird von vielen Interessierten als eine natürliche Art zu Fischen betrachtet. Geschichtlich ist das sicherlich auch richtig, schließlich haben schon seit Anbeginn der Tage Menschen Fischen mit Angel, Reusen, Fallen und Netzen nachgestellt (Geschichte des Angelns). Jedoch kann man sagen, dass das Speerfischen weitaus mehr vom Taucher abverlangt als beispielsweise das Angeln. Bis zum heutigen Tage hat sich das Speerfischen deshalb schnell zu einem Sport entwickelt, bei dem sich der Taucher mit dem Speer und mithilfe verschiedener Techniken aus dem Apnoetauchen Unterwasser begibt und so den Fischen in ihrem Element nachstellt. Der Taucher hat also gewissermaßen einen großen Nachteil, da in der Regel auch keine Druckluftflaschen aus dem Gerätetauchen verwendet werden.

Nicht nur deswegen wird das Speerfischen in Deutschland, wie auch in anderen Ländern der Welt als “gerechter” und natürlicher gesehen. Der Taucher stellt sich mit seinem Können und ohne “unfaire” Mittel dem direkten Vergleich mit der Natur und hat die Chance seinen Beutefisch direkt auszuwählen und zu erlegen. Beifang, wie bei industriellen Netzfischern wir außerdem vermieden. So gesehen hat der Fisch auch eine reelle Chance dem Fischer zu entkommen. Zu kleine Fische, das ungewollte fangen geschützter und für den Fang nicht freigegebene Arten spielen in das Gerechtigkeitsempfinden und dem Gedanken die Natur irgendwie doch zu schützen in das positive Bild des Speerfischens mit ein. Aber ist das so?

Ist das Speerfischen in Deutschland überhaupt erlaubt?

Und da müssen wir erst einmal die Frage klären, ob das Speerfischen in Deutschland überhaupt erlaubt ist. Und da wird es in aller Regel sehr schwierig für alle, die den Sport ausüben. Denn das Speerfischen fällt in allen Bundesländern Deutschlands unter das Fischereigesetz, das sehr strenge Regeln für den Fang von Fischen vorgibt. Nicht nur die zugelassenen Fanggrößen, Zielfische und Fangzeiten werden vorgegeben, sondern auch die Art und weise wie gefischt wird. Das Speerfischen in Deutschland fällt somit unter den §§ 44 des Fischereigesetzes, in der die verbotenen Fangarten und Hilfsmittel aufgezählt werden. Dazu zählt auch das fangen von Fischen mit “Fischgabeln, Harpunen, Speeren, Pfeilen und groben Werkzeugen”. Was eben das Speerfischen beschreibt. In sofern ist das Speerfischen in Deutschland auch mit gültigem Angelschein NICHT erlaubt!

Als Beispiel wird hier das Niedersächsische Fischereigesetz (§§44) und das Berliner Landesfischereigesetz (§§ 24) verwendet. Andere Fischereigesetze anderer Bundesländer sehen das ähnlich.

Was ist der Grund des Verbot des Speerfischen in Deutschland?

Über den genauen Grund des Verbotes des Speerfischen in Deutschland können wir natürlich nur spekulieren. Auch nützt es nicht viel die Gründe des Verbotes zu hinterfragen. Denn ist man mit einer Harpune unterwegs kann man wegen Wilderei und dem Verstoß gegen das Fischereigesetz in einem oder auch mehreren Fällen mit durchaus heftigen Strafen rechen. Dennoch stechen als Grundlage hierfür sicherlich der Schutz des Fischbestandes in heimischen Gewässern und der Tierschutz im Allgemeinen hervor. Fischerei- und Angelvereine stehen sozusagen in der Pflicht – genauso wie Jäger auch – den Bestand zu schützen und nachhaltig mit den bestehenden Arten umzugehen. Angelvereine haben also nicht aus “Egoismus” die Pflicht Seen, Flüsse und andere Gewässer vor dem Überfischen zu schützen. Zudem gehört ihnen – und den Vereinen – auch das ein oder andere Gewässer, da sie über die Jahre gepachtet oder gar gekauft wurden. Es herrscht somit auch Hausrecht.

Für Liebhaber des Sportes ist das natürlich sehr schade, das verstehe ich. Allerdings sehe ich als begeisterter Apnoetaucher und Unterwasserfotograf auch die Nachteile, die der Sport mit sich bringt. Denn:

Ist das Speerfischen denn unbedingt eine “schonende Art” Fische zu fangen?

Und da scheiden sich beim Thema Speerfischen in Deutschland nämlich auch die Geister. Ich persönlich finde, dass das Speerfischen in Deutschland gar keine so gute Sache ist und im Ausland zu mindestens fragwürdig erscheint. Und das aus folgenden Gründen:

1. Grund gegen das Speerfischen in Deutschland

Erstens weiß ich, dass wenn man mit dem Speerfischen anfängt, auf alles schießt, was nicht direkt bei drei verschwunden ist. Gerade Anfänger packt das Jagdfieber, ohne wirklich zu wissen, auf was sie da eigentlich zielen. Gut für den Fischbestand ist das sicherlich nicht. Anfänger kommen ja meistens über das Tauchen, oder den Wunsch sich das “Mittagessen selbst zu erlegen”. Und haben in den allerwenigsten Fällen einen Angelschein und genaue Kenntnis über das Fischereigesetz (,was in der Prüfung zum Angelschein abgefragt wird).

Gerade dann landen aber auch sehr viele Harpunen nicht dort, wo sie den Fisch schnell und direkt töten. Und das ist ein durchaus grausamer Anblick. Für die Fische, die dann mit einem Durchschuss durch den Magen entkommen, weil der Speer beim Einholen durchrutscht ist das sicher schon verheerend. Nicht auszudenken, wenn die dann auch nicht fachgerecht getötet werden, sondern mit dem Durchschuss über einen längeren Zeitraum auf einem Seil aufgezogen an der Boje verenden. Das ist in meinen Augen schon sehr bedenklich!

2. Grund gegen das Speerfischen

Dann bin ich als Naturliebhaber auch manchmal sehr erschrocken, wie schnell große Fische verschwinden. Da hat man manchmal einen riesigen Grouper ausgemacht, den man immer mal wieder an der gleichen Stelle sieht. Erzählt man aber von seiner Sichtung, kann es sein, dass er vielleicht schon am nächsten Tag nicht mehr da ist. Das ist im Ausland im Meer so und das würde auch hier so sein, wenn man als Apnoetaucher sich an den Fotos und den (lebendigen) Tieren erfreut und das Speerfischen erlaubt wäre. Ich wäre dann ebenso vorsichtig aktuelle Fotos von beispielsweise großen Hechten zu veröffentlichen. Mit absoluter Sicherheit wären die dann sehr schnell weggefangen. Und das schadet der Natur noch viel mehr, als dem Apnoetauchen. Denn sind gerade diese großen Fische nicht äußerst erfolgreich in Sachen “Überleben” und Fortpflanzung und nicht deshalb auch sehr sehr wertvoll für den Artenerhalt?

Selbst wenn dann die Fische nicht gefangen werden und dem Jäger entkommen, führt das dazu, dass das Apnoetauchen zusätzlich darunter leidet. Wie das IGB Berlin nachweisen konnte, werden durch das Speerfischen die Fische scheu und lassen sich so weniger gut von uns Tauchern beobachten. Eine sehr tragische Entwicklung für uns Naturliebhaber. Nicht nur deshalb versuche ich meinen Tauchern das Credo “Fish are Friends no Food” beizubringen.

3. Grund gegen das Speerfischen

Nun ist ist so, dass die Meisten Speerfischer in Deutschland nur Zugang zu einem See haben und nicht beispielsweise in der Nord- oder Ostsee Speerfischen würden. Die Fische sind also in einem sehr begrenzten Bereich eingeschlossen und können sich nicht vor der Meute mit Speeren und Harpunen verstecken oder gar fliehen. Das ist ein Problem. Der Fisch würde gestresst und hätte dann doch keine Chance. Das hat nichts mehr mit einer ehrenwerten Jagd zu tun, sondern kommt dem Angeln im heimischen Aquarium gleich. Da ist nichts Heroisches dran und da muss sich jeder drüber im Klaren sein.

Was ist die Alternative zum Speerfischen?

Was ich persönlich viel besser finde ist das Konzept des “NO TRACING”, was so viel bedeutet, dass man aus der Natur nur Erinnerungen und Fotos mit nach Hause nimmt. Selbstverständlich nimmt man seinen Müll natürlich auch mit und hinterlässt kaum bis keine Spuren, dass man dort gewesen ist. Die Natur ist sowieso schon unter sehr viel Druck, der in erster Linie vom Menschen gemacht wurde. Warum also dann noch mehr? Wie der Film “Der Krake mein Lehrer” eindrucksvoll vermittelt ist das Leben auch an scheinbar unvermuteten Orten – lebendig – mehr wert. Wir können so durch einen Hecht, den wir beim Training immer und immer wieder sehen mehr lernen wie der Protagonist durch seinen Oktopus. Der Artikel der Zeit über den Film hat das sehr gut beschrieben.

Insofern empfehle ich allen Interessenten für das Speerfischen in Deutschland nicht in eine Harpune zu investieren, sondern lieber in eine Unterwasserkamera und vielleicht in den ein oder anderen Apnoe- Tauchkurs. Ich sage das nicht aus Eigennutz, sondern empfinde das als wirkliche Alternative. Schließlich ist es hierzulande ja auch verboten. Solltest du später im Ausland das Speerfischen lernen oder praktizieren wollen sind gute Fähigkeiten im Apnoetauchen sowieso ausgesprochen wichtig. Wirklich gute Speerfischer gibt es in Deutschland sowieso nicht (!). Die jahrelange Erfahrung fehlt den meisten. Insofern machst du also nichts falsch hier in Deutschland erst das Apnoetauchen zu lernen. Wir haben entsprechende Kurse, die dir das sichere Apnoe- Tauchen vermitteln. Du kannst dann ja immer noch im Urlaub das Speerfischen lernen und hast dann aber den Vorteil, dass du ausgesprochen sicher im Wasser unterwegs bist und lange die Luft anhalten kannst. Das steht dir natürlich frei!

Zusätzliche Informationen:

Fischereigesetze der verschiedenen Bundesländer.

Ich hoffe, dass ich dir alle Fragen beantworten konnte. Hast du noch weitere Fragen zum Thema Speerfischen in Deutschland, kannst du dich gerne bei mir melden.

Ist das Speerfischen in Deutschland erlaubt?

Derzeit ist das Speerfischen in Deutschland verboten. Alle Landesfischereigesetze verbieten das verwenden von Harpunen, Speeren, Schlingen, usw. zum Schutz des Fischbestandes.

Wie kann man das Speerfischen in Deutschland lernen?

Aufgrund des Verbotes im Fischereigesetz der Länder ist es derzeit nicht möglich das Speerfischen in Deutschland in einem ordentlichen zertifizierten Kurs zu lernen.

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